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Die Auswirkungen von Sex auf die körperliche Leistungsfähigkeit

Von Matthias Holdorf · 12. Juli 2016 · Lesezeit 8 Minuten

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Uberminute: Durch Sex werden wir gelassener und entspannter. Wissenschaftler und Sportler behaupten, dass uns dadurch der notwendige Wille zum Sieg fehlt und wir uns vor Wettkämpfen in Abstinenz üben sollen. Sexuelle Aktivitäten nehmen durch physiologische und psychologische Aspekte Einfluss auf unsere körperliche Leistung. Abhängig von der Sportart die wir ausführen, kann der Beischlaf positive, negative oder gar keine Auswirkungen im Wettkampf zur Folge haben. Hierbei spielt insbesondere eine Rolle, wie viel Zeit zwischen dem sexuellen Akt und dem Wettkampf liegt.
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Namhafte Trainer und Olympia-Athleten befürworten Abstinenz vor sportlichen Wettkämpfen. Muhammad Ali soll sogar 6 Wochen lang vor Boxwettkämpfen auf Sex verzichtet haben. 1 Doch die Meinung der Sportler geht stark auseinander.

Auch in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Ansichten: Viele Wissenschaftler behaupten, dass Sex vor einem Wettkampf die Leistung von Athleten negativ beeinflusst – aufgrund von Müdigkeit, verringerter Aggression und Konzentration. 2 3 Andere hingegen, dass der Sex vor dem Wettkampf unsere sportliche Leistung durch Entspannung, den Abbau von Stress und ein höheres Selbstvertrauen sogar steigert. 4

Führt Sex zu einem Leistungsabfall im Wettkampf? Oder macht es müde Athleten wieder munter?

Die Buffalo Bills erreichten vier Mal hintereinander das Finale der Profiliga im American Football – den Superbowl.

Der Trainer, Marv Levy, bestand darauf, dass seine Spieler in der Nacht vor dem Finale getrennt von ihren Frauen schlafen.

Das Resultat? Die Buffalo Bills verloren alle vier Finalspiele.

Eventuell hatte Berti Vogts (Deutscher Nationaltrainer 1990–1998) daraus gelernt? Er hat dem gegenüber eine entspannte Einstellung:

Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.

– Berti Vogts, Fußballtrainer

Marty Liquori, ein Olympia-Athlet über 1.500m, betonte hingegen:

Sex macht dich glücklich, und glückliche Menschen laufen keine Meile unter 03:47 Minuten. 5

– Marty Liquori, Mittel- und Langstreckenläufer

Die Athleten David Wottle (Mittelstreckenläufer) und Karin Lee Gardner (Ski Alpin) berichten wiederum, dass diese besondere Form der Vorbereitung – Sex in der Nacht vor dem Wettkampf – ihnen zum olympischen Gold verhalf. 6

Uberwissen: David Wottle gewann 1972 olympisches Gold über 800m dahoam in München.

Wie beeinflusst Sex die sportliche Leistungsfähigkeit?

Sex beeinflusst die körperliche Leistungsfähigkeit auf zwei Arten*: 7

  • Physiologisch und
  • Psychologisch

* Erwähnnenswert sind in diesem Kontext natürlich Hormone, welche sowohl physiologische als auch psychologische Auswirkungen auf uns haben.

Sex in der Nacht vor dem Wettkampf hat keinen Einfluss auf die physiologische Leistungsfähigkeit. Dies ging aus drei Studien – evaluiert von McGlone und Shrier 8 – hervor.

Dem entgegen behaupten viele Athleten wie MMA fighter Traver H. Boehm: “Sex macht müde Beine” und dass ihnen Abstinenz hilft aggressiver im Wettkampf zu sein. 9

Psychologischer betrachtet führt Sex zur Entspannung und Gelassenheit. Dies kann uns die Aufregung und den Stress vor einem wichtigen Wettkampf nehmen. Dies haben Sportpsychologen bei der Beobachtung von Hochleistungssportlern ebenfalls feststellen können. 10

Dies kann von Vorteil aber auch von Nachteil sein: Denn sind wir wirklich noch hungrig auf einen Sieg (aggressiv), wenn wir entspannt und gelassen sind?

Welche Sportarten sind von einer Beeinflussung betroffen?

Die mögliche Einflussnahme von Sex auf unsere sportliche Leistung ist abhängig davon, welche Art von Sport wir ausüben. Benötigen wir also:

  • Maximalkraft (Gewichtheben, Sprint),
  • Ausdauer (Langlauf, Ski-Langlauf) oder
  • Konzentration (Bogenschießen).

Die gewählte Reihenfolge der Sportarten ist kein Zufall: Vorausgesetzt unsere sportliche Leistungsfähigkeit nimmt ab (durch die physiologische Belastung/Beeinflussung), dann liegt es nahe, dass unsere Maximalkraft beeinträchtigt ist und wir schlechtere Ergebnisse in z.B. der Sprint Disziplin erzielen.

Sind wir durch sexuelle Aktivitäten entspannter (psychologische Beeinflussung), erscheint es wiederum logisch, dass wir uns besser konzentrieren können. Eine Studie stellte fest, dass sich Sex in der Nacht vor dem Wettkampf positiv auf Sportarten mit feiner Muskelkoordination auswirkt. 11

Der Ausdauersport ist hier bewusst in der Mitte angeordnet, da er von beiden Faktoren (physiologisch und psychologisch) beeinflusst wird.

Zwei Studien nahmen sich diesem Thema an: Die erste fand heraus, dass die meisten der 62 Probanden (Hochleistungs-Ausdauersportler) 12 Stunden nach einem sexuellen Akt keine Auswirkung bei körperlichen Belastung wahrnahmen. 12 Eine zweite Studie kam zu dem Ergebnis, dass Sex 48 Stunden vor einem Marathon keinerlei Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Athleten hat. 13

Was ist mit der Maximalkraft?

Entgegen meiner obigen Annahme, führten Studien zu folgendem Ergebnis: Maximalkraft und Ausdauer werden nicht durch den Beischlaf in der vorherigen Nacht negativ beeinflusst.

  • Eine Studie von 100 Basketball, Volleyball und Handballspielern ergab, dass Sex keine Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit hat, sofern der sexuelle Akt mindestens 2 Stunden vor dem Wettkampf stattfindet. 14
  • In einem Versuch führten 14 verheiratete Männer am Morgen nach dem Sex einen Kraftausdauertest mit einer Fingerhantel durch. Der gleiche Test wurde mit mindestens 6 Tagen Abstinenz wiederholt. 15 Es konnte kein Unterschied festgestellt werden. Eine Folgestudie mit erweitertem Testumfang bestätigte dieses Ergebnis. 16
  • Eine weitere Studie kam zu dem Resultat, dass die maximale aerobe Leistungsfähigkeit sowie der Puls nicht davon beeinflusst wurden, wenn Probanden 12 Stunden zuvor Sex hatten. 17

Es bleibt zu bedenken, wie ausschlaggebend die Ergebnisse der Studien sind, wenn Sex zu einem notwendigen Akt degradiert wird der seine Spontanität verliert. 18

Hinzu kommt, dass die männlichen Probanden der Studien allesamt verheiratet waren. Der sexuelle Akt zwischen langjährigen Ehepartnern verbrennt tendenziell wenig Kalorien 19, da ist es nicht verwunderlich, dass der Beischlaf keinerlei messbaren Einfluss nahm.

Die Intensität und Dauer ist entscheidend: Sex als rein sportlicher Akt.

Ein plakatives Beispiel: Marathonläufer laufen in der Woche vor dem Marathon deutlich weniger Kilometer als normal (genannt Tapering).

Im Jahr 1986 gewann Herbert Steffny die Bronzemedaille bei der EM in Stuttgart mit einer Zeit von 2:11:30 Stunden. Die zwei Tage vor dem Wettkampf lief er lediglich 5 und 7 Kilometer, um den Körper zu schonen. 20

Meine Hypothese: Sex (mit einem hohen Kalorienverbrauch) am Vorabend hätte durchaus eine Auswirkung gehabt, da es  – ganz simpel ausgedrückt  –  weitere 5 – 15 😉 Kilometer für den Körper bedeutet hätte, die der Trainingsplan nicht vorsah.

Obgleich Herbert der Ansicht ist:

Ein Gläschen Bier …, Sex, why not? 21

– Herbet Steffny, Langstreckenläufer

Unterstützt wird Herbert von dem Resultat einer Studie von der Universität New Orleans, die ergab, dass sexuelle Aktivitäten 48 Stunden vor einem Marathon keine Auswirkungen auf das Laufergebnisse haben. 22

Ein weiterer Aspekt: Der Mangel an Schlaf

It’s not the sex that wrecks these guys, it’s staying up all night looking for it.

– Casey Stengel, Manager der New York Yankees

Wenn auch etwas überspitzt ausgedrückt, trifft es den Nagel auf den Kopf. Zwei fiktive Szenarien:

#1: Um 22 Uhr gehen dein Partner und du ins Bett, um 22:15 Uhr schlaft ihr gemeinsam ein.

#2: Um 22 Uhr gehen dein Partner und du ins Bett, um 22:05 Uhr bekommt ihr Lust aufeinander. Mit Vorspiel, Sex, Duschen und Kuscheln vergehen 1 ½ Stunden, um 23:45 schlaft ihr gemeinsam ein.

Der sexuelle Akt hat nicht immer diese Bestandteile, in der Reihenfolge, mit der Dauer, an dem Ort oder der Uhrzeit (zum Glück, oder?) 😉 Es ist ein fiktives Szenario; allerdings ist es ein durchaus Gängiges.

Dies ist also der zweite offensichtlich Punkt: Wir schlafen weniger. (Vorausgesetzt ihr geht nicht um 20:00 Uhr ins Bett, weil ihr wisst, dass ihr Sex haben werdet.)

Das erklärt recht anschaulich und logisch warum einige Hochleistungssportler aus physiologischer Sicht auf Sex verzichten.

Sie fokussieren sich auf bestimmte Trainingseinheiten (exklusive Sex) und planen basierend darauf genügend Erholung ein.

Fazit

Die rezensierte Literatur führt zu der Annahme, dass Sex vor dem Wettkampf keine negativen Auswirkungen hat. Im Gegenteil: Durch Sex in der Nacht vor dem Wettkampf kann teils sogar ein besseres Ergebnis erzielt werden, da wir entspannter und ausgeglichener sind. Zu bedenken sind jedoch die zwei offensichtlichen Faktoren, die mit Sex einhergehen: Zusätzlicher Energieverbrauch und möglicher Schlafmangel. Sexuelle Aktivität unmittelbar (2 Stunden) vor einem Wettkampf sollte vermieden werden.

Wir haben nicht betrachtet, welche Wirkung die Hormonausschüttung beim Orgasmus und während des Sexes auf unsere sportliche Leistungsfähigkeit hat. Lediglich einige transitive Auswirkungen, die z.B. Testosteron (Aggressivität) und Cortisol (Stresshormon) über die Psyche auf unsere Leistungsfähigkeit haben.

Insbesondere für Hobbysportler – für die es nicht auf Hundertstelsekunden drauf ankommt – ist Sex vor dem Wettkampf völlig unbedenklich. Egal, ob ihr Maximalkraft, Ausdauer oder Konzentration benötigt: Solange ihr nicht zu intensiv miteinander Spaß habt und noch immer genügend Schlaf bekommt, werdet ihr sehr wahrscheinlich keine sportliche Leistung einbußen!

Letztlich bleibt festzuhalten: Sex ist die schönste Sache der Welt! Wir sollten uns nicht zu viel Gedanken darüber machen 🙂

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Quellen
  1. Krieger, L. (1997). Scoring before a big event. In: Winning. Seite 88-89.
  2. Anshel, M. H. (1981). Effects of sexual activity on athletic performance. The Physician and Sports Medicine, 1(8), Seite 64-66.
  3. Boone, T., & Gilmore, S. (1995). Effects of sexual intercourse on maximal aerobic power, oxygen pulse, and double product in male sedentary subjects. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 35(3), Seite 214-217.
  4. SayfollahPour, P., Heidary, M., & Mousavi, M. (2013) A psychological consideration of sexual activity impact upon sporting performance: An overview. International Journal of Academic Research in Business and Social Sciences, 3(5), Seite 672 – 677.
  5. Bloom M. The sex factor. Runner’s World 1994; 11:71–74.
  6. Bloom M. The sex factor. Runner’s World 1994; 11:71–74.
  7. McGlone, Samantha; Shrier, Ian (2000). Does Sex the Night Before Competition Decrease Performance? In: Clinical Journal of Sport Medicine. Volume 1, Issue 4, Seite 233-234.
  8. McGlone, Samantha; Shrier, Ian (2000). Does Sex the Night Before Competition Decrease Performance? In: Clinical Journal of Sport Medicine. Volume 1, Issue 4, Seite 233-234.
  9. Boehm, Traver H. (2016): No Sex Before Competition? The Medicine Behind the Myth.
  10. SayfollahPour, Peirooz; Heidary, Masume; Mousavi, Mansur (2013). A Psychological Consideration of Sexual Activity Impact upon Sporting Performance: an Overview. In: International Journal of Academic Research in Business & Social. Vol. 3 Issue 5, Seite 672.
  11. SayfollahPour, Peirooz; Heidary, Masume; Mousavi, Mansur (2013). A Psychological Consideration of Sexual Activity Impact upon Sporting Performance: an Overview. In: International Journal of Academic Research in Business & Social. Vol. 3 Issue 5, Seite 672.
  12. Pupiš, M., Raković, A., Stanković, D., Kocić, M., & Savanović, V. (2010). Sex and endurance performance. International Scientific Journal of Kinesiology, 21-25.
  13. Anderson, P. B., Wei, P., & Shyu, I. (2001). The Relationship Between Sexual Activity (and Four other Health Behaviors) and Marathon Performance Among Non-elite Runners. Electronic Journal of Human Sexuality. Volume 4, Seite 4.
  14. Ognjenka, Vukolic (2005). Effect of sexual activity on sport’s performance of basketball, handball and volleyball male players Vukolic Ognjenka Institute of Sport Science, University of Vienna.
  15. Johnson W. (1968). Muscular performance following coitus. J Sex Res. Vol. 4, Seite 247–248.
  16. Thornton J. (1990). Sexual activity and athletic performance: is there a relationship? Phys Sport Med. Volume 18, Seite 148–153.
  17. Boone T, Gilmore S. (1995). Effects of sexual intercourse on maximal aerobic power, oxygen pulse, and double product in male sedentary subjects. J Sports Med Phys Fitness. Volume 35, Seite 214–217.
  18. Anshel M. (1981). Effects of sexual activity on athletic performance. Phys Sports Med. Volume 9, Seite 65–68.
  19. Mirkin G. (1996). Sex before competition. Report #6750.
  20. Steffny, Herbert (2015). Das große Laufbuch: Alles, was man übers Laufen wissen muss. 5., aktualisierte und erweiterte Ausgabe, Seite 241.
  21. Steffny, Herbert (2015). Das große Laufbuch: Alles, was man übers Laufen wissen muss. 5., aktualisierte und erweiterte Ausgabe, Seite 203.
  22. Anderson, P. B., Wei, P., & Shyu, I. (2001). The Relationship Between Sexual Activity (and Four other Health Behaviors) and Marathon Performance Among Non-elite Runners. Electronic Journal of Human Sexuality. Volume 4, Seite 4.

Ubermind Autor - Matthias Holdorf

Verfasst von Matthias Holdorf

Beruflich als Software-Entwickler unterwegs, gelten meine privaten Interessen dem Ausdauerlauf, der Psychologie, dem Reisen und der Ernährung. Auf Ubermind schreibe ich über meine sportlichen und psychologischen Erfahrungen und Experimente.

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Comments

  1. Hendrik says

    9. September 2018 at 14:25

    Richtig guter Beitrag, das nötige Maß an wissenschaftlicher Qualität und gleichzeitig lustig und interessant

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